Da ich mir nur noch drei Wochen verbleiben, biete ich Zacharia an die Kosten für das Taxi auszulegen und mit den Besuchen der Klienten gleich anzufangen.
Zacharia lässt sich nicht zweimal bitten und bestellt sogleich das Taxi für den nächsten Tag.
Da er selbst im Rollstuhl sitzt und es ihm sehr schwer fällt in ein Auto zu kommen, hat er einen Taxifahrer namens Medi eingelernt, wie er ihn in den Wagen zu heben hat. Seitdem bestellt er immer das selbe Taxi und fährt nur mit einem anderen, wenn es nicht anders geht.
Die erste Fahrt führt uns nach Masame und Machame (Eingangstor des Kilimajaro Nationalparks und Anfangspunkt der Bergbesteigung). Die ersten 30 km können wir die gepflasterte Hauptstraße zwischen Moshi und Arusha benutzen, bevor wir auf ein Staubpiste abbiegen. Zunächst sind wir von Maisfeldern umgeben, die allerdings nach und nach von Bananenstauden, Gemüsebeten, Bohnen, Silbereichen, Pinien, Mango-, und Avocadenbäumen und vielen anderen Pflanzen, die ich nicht identifizieren kann, abgelöst werden.
Unser erster Besuch gilt Constantin Kweka. Allerdings dauert es noch eine gute halbe Stunde bis wir uns zu ihm durchgefragt haben. Als wir bei ihm ankommen, erwartet er uns bereits, umzingelt von einer neugierigen Kinderschar.
Zacharia bittet Constantin ein wenig abseits zu fahren, damit sie sich ungestört unterhalten können. Mir wird ein Stuhl gebracht und Zacharia fängt an mit Constantin über seine aktuelle Situation zu reden. Wenn es Zacharia passend erscheint übersetzt er mir das Gesprochene und ich habe die Möglichkeit fragen zu stellen.
Constantin Kweka
Constantine ist 1981(29 Jahre) in Masama geboren. Er hat die Primaryschule abgeschlossen und anschließend bei seinen Eltern auf der kleinen Farm geholfen. Mit 21 Jahren hat er sich beim Sturz von einem Baum so stark verletzt, dass er vom Hals abwärts gelähmt ist. Seine Beine kann er gar nicht mehr bewegen, seine Hände nur ein wenig (wenn es für ihn hingerichtet wird, kann er “allein” essen, trinken und sein Gesicht waschen). Nach einem langen Krankenhausaufenthalt ging er wieder zurück zu seinen Eltern. Hier fristet er sein Dasein. Ein befreundeter Nachbar kümmert sich um ihn, bevor er selbst zur Schule geht, den REst des Tages sitzt er unter einem Baum und wartet auf seine Rückkehr, da er sich nicht selbst fortbewegen kann.
Er erzählt, dass er sich bei seiner Familie nicht sonderlich wohl fühlt (manchmal auch ohne Essen auskommen muss). Er würde gern in die Stadt ziehen, um dort ein eigenes Leben mit Assistenz anzufangen.
Daher ist der Plan von FoP:
- Ein Zimmer in Moshi mieten
- Einen Assistent suchen
- Constantine und Assistent den Umgang miteinander lehren
ca. drei Monate Zeit lassen um sich an die Neue Situation zu gewöhnen
- Zusammen ein Geschäft aufbauen, dass ihm den Lebensunterhalt sichert.
Nachdem wir genügend Fragen gestellt haben, verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg zum nächsten Klienten, der zwar im gleichen Dorf wohnt, aber in einem anderen Teil und so fahren wir weitere 30 min bis wir am zuvor vereinbarten Treffpunkt angelangen. Laurence Massawe lebt in einem Tal, dass von der Straße 15 min Fußweg ca. 300 Höhenmeter runter über einen Trampelpfad zu erreichen ist. Daher wartet Zacharia im Auto. Medi und ich machen uns an den Abstieg. Wir haben eine traumhafte Sicht auf das Dach Afrikas, den Kilimanjaro und durchqueren ein saftgrünes Tal, mit einem kleinen See und Flüssen die wir über wacklige Brücken überqueren können.
Auf der anderen Seite geht es den Berg wieder ein bisschen hoch und wir stoßen auf eine Ansammlung von 5 Hütten. Laurence wartet bereits auf uns, zusammen mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Ausserdem warten drei Männer neben ihm um ihn den Berg zu Zacharia hochzutragen. Ich mache ein paar Fotos um Zacharia die Verhältnisse in denen Laurence wohnt, zeigen zu können.
Ich finde es schön hier, sehr idylisch. Es ist grün. überall sind Blumen und man kann den kleinen Bach hören. Als wir uns allerdings den Berg wieder hochquälen (ohne jemanden zu tragen) überlege ich es mir anders und komme zu dem Schluss, das ich selbst als laufende Person nicht hier wohnen wollte.
| Von Erster Besuch |
Laurence Massawe
Da wir ihn bisher noch nicht telefonisch erreicht haben, um Nachfragen zu stellen und zu erfahren welche Gedanken er sich gemacht hat, sind seine Unterlagen noch nicht vollständig.
Nachdem Zacharia vom Auto aus, sich mit Laurence unterhalten hat, geht es weiter zu Emmanuel Mushi. Er wohnt in einem anderen Dorf und es dauert eine Weile bis wir dort ankommen. Da Zacharia an diesem Tag ziemliche Schmerzen hat, entschliest er im Auto sitzen zu bleiben und Medi steuert das Auto über einen Fussweg auf den Innenhof der Familie. Immanuel sitzt in einem alten Arztstuhl vor seinem Zimmer und telefoniert. Auch seine Hände sind nicht vollständig einsatzfähig und er muss mit der Einen die Andere stützen um uns die Hand zur Begrüßung zu reichen.
Emmanuel Mushi
Emmanuel ist 1982 (27 Jahre) in Machame geboren. Er hat die Primärschule abgeschlossen. Seit seinem Sturz von einem Baum 2003 ist er querschnittsgelähmt und ist von seinen zwei Brüdern und deren Frauen abhängig, die ihm helfen, so gut es geht. Er fühlt sich wohl zu Hause, möchte allerdings etwas für seine Selbstständigkeit machen. Was genau muss er sich jedoch noch überlegen.
Nach den drei Besuchen sind wir alle ganz schön geschaft und machen uns an den Rückweg mit der Aussicht auf neue Besuche am nächsten Tag.
Die Kosten für diesen Tag betrugen 120.000 TShs (Taxi), 10.000 TShs (Constantine), 10.000 TShs (Telefon aufladen). –> ca. 70 €
