Heute soll unsere Fahrt wiedermal nach Uru- West gehen.
Zacharia hat von einer Kollegin von KASI, aus Dar es Salaam, von Girom gehört und will sich nun ein Bild von seinen Lebensumständen machen. Allerdings kennt er den Weg zu Giroms Haus nicht, dass sehr abgelegen ist, sodass keine Dorfbewohner nach dem Weg gefragt werden können. Also holen wir in der Stadt einen Bekannten ab, der sich bereit erklärt hat uns den Weg zu zeigen.
Leider hatte es in den Höheren Lagen, an den Hängen des Kilimajaros, in der Nacht geregnet und so hat das Taxi von Medi ziemlich zu kämpfen um den Berg hochzukommen. Zunächst ist es kein Problem, doch als der Weg von Steinen und Staub in grasbewachsene Feldwege wechselt, der wunderschön zwischen Kaffeplantagen hindurchführte, drehen unsere Reifen durch und wir müssen ein wenig mehr Anlauf nehmen, um den kleinen Anstieg zu meistern.
Für die Fahrt zu Girom brauchen wir ca. eine Stunde für vielleicht 30 km. Besonders die letzten 2 Kilometer lassen mich beten, da wir ziemlich viel Schwung brauchen um die Anstiege hochzukommen und das Auto ganz schön ins holpern kommt.
Dieser Weg wird von keinem Dalla Dalla befahren, sodass die wenigen Bewohner des ärmlichen Dörfes, die ca 5 km ins nächste Dorf laufen müssen, um dort ein Dalla Dalla in die Stadt zu nehmen. Wie ist es wohl als Rollstuhlfahrer?
Auch Zacharias bekommt es mit der Angst zu tun und als wir aus Sicherheitsgründen an einer Stelle aussteigen, er aber im Wagen sitzen bleiben muss, wird mir bewusst wie abhängig er ist. Er kann nicht einfach aussteigen, wenn es ihm zu gefährlich wird. Aber dennoch geht er das Risiko ein.
Endlich haben wir es geschaft. Da es zu der Hütte von Girom ziemlich steig berabgeht und dieser Weg nicht nur rutschig, sondern auch sehr uneben ist, entschließt Zacharia im Auto zu warten und uns herunterzuschicken um Fotos zu machen und mit Girom zu reden (Medi übernimmt dass, da mein Kisuaheli noch sehr erbärmlich ist).
Der Himmel ist bewölkt, es nießelt leicht und wir sind immer noch ein wenig mitgenommen von der Fahrt. Vielleicht sind es diese Umstände oder die wirklichen Lebensumstände von Girom oder beides: Mir steigen Tränen in die Augen.
Girom sitzt in einer runtergekommenen Hütte auf einem schiefen Rollstuhl. Es stinkt und ist dunkel. Mit traurigen Augen lächelt er mich an und ist dankbar für den Besuch. Medi fragt ob ich ihn für Zacharia fotografieren dürfe, da dieser ihn nicht sehen kann und nur aufgrund der Bilder und noch folgenden Telefongesprächen seinen Bedarf feststellen wird.
Girom ist es wichtig, dass er richtig im Rollstuhl sitzt und so versuchen wir die Beinstützen zusammenzuschieben und seine Beine darauf zu hiefen. Er dauert eine Weile, aber schließlich lächelt er schief in die Kamera. Wie bei allen Klienten, fotografiere ich noch das Bett, die Toilette (die ich durch den Matsch mit einer Rutschpartie erreiche und die Girom bestimmt nicht benutzen kann) und das Haus:
Wenn wir für Girom ein Dossier erstellen, werden wir durch einen Anruf mehr über ihn erfahren und ich werde euch seine Geschichte erzählen. Der erste Besuch ist steht dazu da, einen Eindruck zu bekommen und den Klienten Hoffnung zu machen.
Wir geben Girom noch 20.000 TShs,- (10€), damit er sich etwas zu essen kaufen kann und machen uns wieder auf den Rückweg, durch die Kaffeplantagen der Wazungus (der Weißen, die zwar Anfang des Afrikanischen Sozialismus enteignet wurden, später allerdings gebeten wurden wieder zurück zu kommen, da der Staat die Plantagen niedergewirtschaftet hatte).
Die Fahrt verläuft schweigend. Das Bild von Girom geht nicht mehr aus meinem Kopf und auch die anderen Klienten, die ich seither besucht habe, drehen ihre Runden. Wenn nur genügend Geld zur Verfügung stehen würde um ihnen allen zu helfen. Es ist schon eine große Hilfe, dass wirsie, mit dem gespendeten Geld, besuchen können. Jetzt liegt es an großen Organisationen unsere Projektskizze anzuschauen und daraufhin Geld zur Verfügung zu stellen. Es ist wirklich deprimierend, wenn Zacharia erzählt, wie er bei den tanzanianischen Behörden war und Unterstützung vom Staat beantragt hatte. Mit der Begründung, dass sie ihren eigenen Leuten nicht vertrauen könnten und das Geld lieber Ausländischen Organisationen geben lehnten sie seinen Antrag ab. Sie gaben Zacharia den Tip sich einer dieser Organisationen anschließen und nicht zu versuchen eine tanzanianische Organisation aufzubauen. Auch der Rotary, Lions Club oder andere reiche Tanzanianer hier vor Ort scheinen alle kein Geld zu haben.
Müssen also ausländische Organisationen einspringen, obwohl es engagierte Tanzanianer gibt?
Wärend ich mir überlege, wohin ich die Projektskizze sinnvoll verschicken könnte, fahren wir in Richtung Kishimundu, um einen weiteren Klienten zu besuchen. Leider können wir ihn telefonisch nicht erreichen, sodass wir auf die Dorfbevölkerung angewiesen sind. Sie führen uns allerdings zu der falschen Person und wir müssen für heute unsere Reise abbrechen, da Zacharia eine Unterrichtstunde hat, mit der er seinen Lebensunterhalt verdient.
Für diesen Tag haben wir 70.000 TShs,- (35€) für das Taxi und das Geld für Girom gebraucht.
